Wer den Muezzin in Deutschland duldet, hat keine Ahnung von Toleranz

kisslerAus Angst wie aus Bequemlichkeit regiert in der Konfrontation mit dem militanten Islam das große Appeasement. Und so kommt es, dass in Gladbeck der Muezzin ruft. Er hat zu schweigen! Ein Auszug aus dem neu erschienen Buch „Keine Toleranz den Intoleranten“.

Viel ist in diesen Tagen die Rede von den westlichen Werten, die es zu verteidigen gelte. Was aber soll da auf welchen Wegen verteidigt werden? Welche geistigen Gründungsurkunden des Westens man auch zu Rate zieht, ob Voltaire, John Locke oder die Bibel: Überall ist Toleranz eine Übung in Standhaftigkeit und nicht ein gleichförmiges Desinteresse an allem. So aber hat sich der Westen in weiten Teilen in den letzten Jahren entwickelt: zur Vereinigung der Menschen, denen alles egal ist, solange niemand sie beim Lebensgenuss und dessen Verdauung stört. Toleranz aber ist ohne Haltung nicht zu haben.

Das Verhalten von Politik, Medien und Kirchen legt traurig Zeugnis ab. Es ist oft die pure Halt- und Haltungslosigkeit. Aus Angst wie aus Bequemlichkeit regiert in Ansehung des militanten Islam das große Appeasement. Zu den raschesten Äußerungen nach den Attentaten von Paris zählte im Januar 2015 die quasi regierungsamtliche Beruhigung, derlei habe mit dem Islam nichts zu tun. Islamisten seien letztlich gar keine Muslime. Barack Obama, Präsident der Vereinigten Staaten, äußerte; der Islam dürfe nicht diffamiert werden, keine Religion sei für Terrorismus verantwortlich. Kurios, verstanden sich die Mörder doch als besonders glaubenstreue Fromme auf den Spuren Mohammeds. Vor diesem Faktum verblasst jede Frage, inwieweit sie sich zu Recht oder zu Unrecht auf diese oder jene Sure beriefen. Es genügt, dass sie es taten, dass sie aus ihrem Bild des Islam die Lizenz zum Mord ableiteten. Also ist es an der Zeit, auch die Gewaltgeneigtheit dieser Religion zu thematisieren.

Vorauseilende Unterwerfungsgesten

Das Appeasement des Westens verdient eine ebenso ernste Anfrage. Was lief schief in den Schulbänken zwischen Washington und London, Berlin und Stockholm, wenn der Westen sich zwar sonntags als Wertegemeinschaft begreift, von Montag bis Samstag aber nichts unternimmt, um diese Werte zu verteidigen? Wenn die Selbstzensur fröhliche Urständ‘ feiert und man sich in vorauseilenden Unterwerfungsgesten übt, um weiter an der Illusion festhalten zu können vom friedlichen Nebeneinander von Freiheit und Freiheitsfeindschaft? Lieber ziehen vorgeblich aufgeklärte, in Wahrheit eingeschüchterte Mitteleuropäer potentiell anstößige Karnevalswagen aus dem Verkehr oder sagen Faschingsumzüge wie im Februar 2015 jenen von Braunschweig ganz ab, um den Freiheitsfeinden keine weiteren Angriffsflächen und Anschlagsziele zu bieten, als unverdrossen einzustehen für die Freiheit der Meinung, die Freiheit der Religion, die Freiheit der Versammlung und, sämtliche Freiheiten überwölbend, die Gleichheit aller Menschen von Geburt an.

Die Terrorbrigade „Islamischer Staat“ begreift sich auf einem Eroberungszug über das Mittelmeer hin, Rom fest im Blick. Und Rom ist neben Jerusalem und Athen einer der drei Pfeiler dieses großen zivilisatorischen Projekts namens Westen oder Abendland. Fällt Rom, ist der Westen Geschichte. Damit Rom nicht fällt, muss der Westen sich seines inneren Kompasses neu vergewissern. Eine einmalige Vergangenheit, eine ganz außerordentliche Emanzipationsgeschichte, muss aktualisiert werden – solange deren Restbestände uns noch zu Gebote stehen, wir noch frei greifen können nach dem Quell unserer Freiheiten.

Huffington Post/Wochit ARD zeigt Kanzlerin mit Kopftuch und gibt zu: Wir wollten polarisieren

Der Westen, verstanden als große Freiheitserzählung, könnte sonst in der Stunde seiner größten Bewährung vor dieser Herausforderung kapitulieren. Er könnte seiner Sprachunfähigkeit zum Opfer fallen, könnte implodieren in einem ohrenbetäubenden Schweigen, eingehen an innerer Auszehrung. Der britische Historiker Niall Ferguson nennt die „vielleicht schlimmste Bedrohung des Westens“ nicht den radikalen Islamismus oder „eine andere von außen kommende Kraft, sondern unser mangelndes Verständnis für und fehlendes Vertrauen in unser eigenes kulturelles Erbe.“

Aus Angst wie aus Bequemlichkeit regiert in Ansehung des militanten Islam das große Appeasement. Und so kommt es, dass in Gladbeck der Muezzin ruft. Er hat zu schweigen! Ein Auszug aus dem neu erschienen Buch „Kein Toleranz den Intoleranten“.

Mindestens zweierlei wäre nun zu tun: das eigene Erbe zu identifizieren – und den Mut aufzubringen, es standhaft und konsequent, ohne Feigheit und ohne Kompromisslertum, aber auch gelassen zu verteidigen. Der Westen hat bereits abgedankt, wo er die Symbole seiner Genese entsorgt. Wie bunt und durchmischt er heute sein mag: Er ist es, weil in griechischer und römischer Antike, im erst jüdischen, dann christlichen Monotheismus die Menschheit jenen Geschmack für die Verschiedenheit entwickelte, ohne die heute Toleranz kein flächendeckendes Phänomen sein könnte. Er wird nicht mehr sein, wo er sein Gedächtnis verwirft.

Ein Anschlag auf das eigene freiheitliche Erbe ist es, wenn der spanische Fußballclub Real Madrid, um den wirtschaftlichen Erfolg im islamischen Kulturkreis und die millionenschwere Zusammenarbeit mit der staatlichen „International Petroleum Investment Company“ der Vereinigten Arabischen Emirate und der „National Bank“ des Emirats Abu Dhabi nicht zu gefährden, aus der Export-Variante seines Vereinswappens das klitzekleine Kreuz an der Spitze der königlichen Krone löscht. Zudem, wie stets bei solchen Demutsgesten, unterstellt es dem Vis-a-vis maximale Empfindlichkeit bei minimaler Herzensbildung.

In Gladbeck ruft der Muezzin

Im nordrhein-westfälischen Gladbeck sind solche Debatten nicht zu befürchten. Seit dem 17. April 2015 ruft dort täglich außer an christlichen Feiertagen der Muezzin zum Gebet. Der Bürgermeister des nordrhein-westfälischen Städtchens sieht darin einen logischen Nachvollzug der demografischen Entwicklung. Fast ein Drittel der Bürger sind Muslime, da sei es „folgerichtig, dass sich die Lebenswirklichkeit in der Religionsausübung abbildet.“ Das stimmt und zielt am Kern zugleich vorbei. Natürlich drückt sich die Zusammensetzung einer Gesellschaft auch im öffentlichen Glaubensleben aus. Es gibt dann mehr (oder weniger) Kirchen, Tempel, Synagogen, Moscheen, weniger (oder mehr) Menschen auf den Straßen mit den Insignien ihrer jeweiligen Religion. Ursprung staatlicher Toleranz war religiöse Toleranz, und so hat an keiner Erscheinungsform irgendeiner Religion der Staat etwas zu mäkeln, solange sie Recht und Gesetz achtet.

Der Ruf des Muezzin aber ist weniger „Religionsausübung“ als Herrschaftsanspruch. Er ist das gesungene Glaubensbekenntnis der Muslime – „Allah ist der Allergrößte. Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt. Ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist. Kommt her zum Gebet. Kommt her zum Heil. Allah ist der Allergrößte“ – und damit im Unterschied zu den Kirchenglocken weder eine Zeitansage noch eine nonverbale Einladung zum Gottesdienst. Wo der Muezzin erschallt, da ist die Umma. So sagt es denn auch der Vertreter der siegreichen Moscheegemeinde, nun fühlten sie sich „im fremden Land ein Stück mehr zuhause“.

Genau so verliefe heute die Grenze zwischen Toleranz als Ignoranz und Unterwerfung einerseits und wehrhafter Toleranz andererseits, die ihrem Namen Ehre macht: Jede Religion darf ihre Bauten bauen und ihre Riten pflegen, darf für sich werben, darf missionieren und untereinander wie miteinander streiten. An staatlichen Schulen müssen Lehrerinnen hinreichend neutral ihrer Klasse gegenübertreten und dürfen sich nicht als Vertreterinnen einer bestimmten, in Zweifelsfällen mit der freiheitlichen Grundordnung des Staates inkompatiblen Schriftauslegung zu erkennen geben.

Der Muezzin hat zu schweigen, weil sein besitzanzeigendes Bekenntnis in einem nicht der Umma angehörigen Umfeld als Herrschaftsanspruch wahrgenommen wird. Auf den Straßen wiederum darf ebenso der Rosenkranz gebetet werden wie das Gebet zu Allah, im Sitzen, Stehen, Liegen oder Gehen. Jeder Mensch darf tragen, was er will, Kopf, Schleier, Zylinder oder Glatze, doch die Vollverschleierung widerstreitet den Grundbedingungen einer offenen Gesellschaft, die auf Personalität und Zurechenbarkeit basiert, auf der Antlitzfähigkeit des Menschen. Die Burka ist der Versuch, innerhalb des Westens sich aus dem Westen zu verabschieden. Da muss die Toleranz enden.

 Quelle: Focus

1 Comment

  1. H.Gürke

    1. Dezember 2017 at 04:27

    So sagt es der Vertreter der siegreichen Moscheengemeinde, „nun fühlen sich die Muslime im fremden Land ein Stück mehr zuhause“. Eins sagt er richtig „im fremden Land“! Aber mir als Deutscher, als einer die vorher hier lebten“, wie der Bürgermeister aus Altena in seiner PK nach der Messeratacke die deutschen Bürger seiner Stadt nannte, geht es genau andersrum! Ich als Deutscher fühle mich mal wieder ein Stück fremder in meiner Heimat, der Heimat meiner Eltern, meiner Großeltern, meiner Vorfahren! Und wenn unsere Politiker immer wieder die Mütter und Väter unseres Grundgesetzes bemühen, ich glaube die drehen sich bei jedem Ruf des Muezzins im Grabe rum!

Kommentar verfassen