Wendt: Justiz ging zu lasch mit Gewalttäter von Hameln um

 

Rainer Wendt, der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft

Rainer Wendt, der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft dpa

Hätte die Gewalttat von Hameln verhindert werden können? Der Täter hätte gar nicht mehr auf freiem Fuß sein dürfen, meint der Polizeigewerkschafter Wendt. Der Deutsche Richterbund reagiert empört und spricht von einem „böswilligen Vorwurf“ gegen die Justiz.

Hameln/Hannover. Drei Tage nach dem brutalen Verbrechen an einer Frau aus Hameln, die hinter einem Auto hergeschleift wurde, ist der Zustand des Opfers gestern weiterhin kritisch. Die 28-Jährige liege immer noch im Koma und schwebe in Lebensgefahr, sagte ein Polizeisprecher. Derweil werden Fragen laut, ob Polizei und Justiz im Vorfeld der Bluttat Warnhinweise nicht genügend beachtet haben.

So hatte es in der Vergangenheit zwischen dem Opfer und dem mutmaßlichen Täter wiederholt Streit gegeben. Nach Angaben des Bruders der Frau hat der 38-jährige Mann seine ehemalige Lebensgefährtin immer wieder geschlagen. Auch seine Schwiegermutter soll er angegriffen haben: „Er hat ihr die Nase gebrochen“, sagte der Bruder. Man habe wiederholt bei der Polizei Anzeige erstattet, doch daraus sei nie etwas geworden.

 Täter wurde mehrfach angezeigt

Der hannoversche Oberstaatsanwalt Thomas Klinge bestätigt, dass es mehrere Anzeigen gegeben hat. Die Untersuchungen seien später alle eingestellt worden. Zuletzt war die 28-Jährige am vergangenen Freitag, nur zwei Tage vor der Bluttat, bei der Polizei in Hameln aufgetaucht und hatte um Hilfe gebeten. Laut Klinge gab sie an, ihr ehemaliger Lebenspartner, mit dem sie nach islamischem Recht verheiratet war, habe sie einen Monat zuvor mit dem Tode bedroht.

„Ich will nur, dass das aufhört“, habe die Frau gesagt, zugleich aber angegeben, dass sie keine Angst vor ihrem Mann habe. Die Polizei nahm das ernst und suchte den Mann zu einer sogenannten Gefährderansprache auf. Dabei habe sich der 38-Jährige einsichtig gezeigt, so Klinge. Zwei Tage später legte der Mann der Frau einen Strick um den Hals, befestigte das andere Ende am Auto und schleifte sein Opfer durch die Straßen von Hameln. Hintergrund des Verbrechens ist offenbar ein Streit um das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn.

Wendt: Polizei fühlt sich von der Justiz allein gelassenHätte die Tat verhindert werden können, wenn die Polizei schon früher konsequenter gegen den mutmaßlichen Täter vorgegangen wäre? Oberstaatsanwalt Klinge betonte, die Ermittlungen gegen den 38-Jährigen hätten nie genug Beweise für eine Anklage erbracht. Es sei auch nicht klar, ob sich die Anzeigen auf häusliche Gewalt bezogen hätten. Das werde derzeit überprüft. Damit wies Klinge Vorwürfe der Deutschen Polizeigewerkschaft gegen die Justiz zurück.

Gewerkschaftschef Rainer Wendt hatte der „Passauer Neuen Presse“ gesagt, der Tatverdächtige sei immer wieder durch Straftaten aufgefallen, aber nie im Gefängnis gewesen. Das werde sich fortsetzen: „Es wird sich ein Richter finden, der ihm auch jetzt wieder eine positive Sozialprognose geben wird“, so Wendt.

Rebehn: „Sein Vorwurf ist böswillig“Sven Rebehn, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Richterbunds nannte die Vorwürfe „böswillig“. „Wir tun alles dafür, um Straftäter zu überführen und angemessen zu verurteilen. Aber Staatsanwälte und Richter sind auch auf gute Ermittlungsarbeit der Polizei angewiesen…

Quelle: Neue Presse

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