Treibstoff von oben: Wenn Flugzeuge Kerosin in der Luft ablassen

37 Flugzeuge haben über Rheinland-Pfalz zwischen 2010 und 2016 Kerosin abgelassen, um in kritischen Situationen ihr Landegewicht zu verringern. Das geht aus der Antwort des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion hervor.

chemtrail

Zehn Mal ließen militärische Flugzeuge Treibstoff ab, insgesamt waren das 130 Tonnen. Das „Gebiet Pfalz“ war dabei mit 82 Tonnen besonders stark betroffen. Eine Tabelle der Bundesregierung listet die Fälle auf, Gründe werden nicht genannt. Zudem mussten im selben Zeitraum 27 zivile Flugzeuge Treibstoff über Rheinland-Pfalz ablassen.

„Das Gefährlichste ist für mich der militärische Flugverkehr“, sagte Horst Emrich von der Bürgerinitiative gegen Fluglärm, Bodenlärm und Umweltverschmutzung in Kaiserslautern. Der in diesen Maschinen verwendete JP-8-Treibstoff sei selbst in kleinsten Mengen höchst gefährlich.

Kraftstoffschnellablass ist ein Notverfahren

Zu den nichtmilitärischen Fällen sagte Emrich: „Man hat ja einen derart harten Konkurrenzkampf in der zivilen Luftfahrt, dass man mit dem Tanken sehr restriktiv vorgeht.“ Viele Fluggesellschaften müssten Kosten sparen. Fälle wie der im April 2016, bei dem gleich 91 Tonnen Treibstoff aus einem zivilen Flugzeug über der Eifel abgelassen wurden, seien daher eher selten.

Beim sogenannten Kraftstoffschnellablass handelt es sich nach Angaben der Bundesregierung um ein Notverfahren, das Flugzeugen eine sichere Kontrolle der Landung mit nicht zu vielem Gewicht ermöglichen soll, etwa bei einer Notlandung kurz nach dem Start. Jeder Fall muss genehmigt werden. Die Flugsicherung weist dem Piloten dann ein großflächiges Gebiet zum Ablassen zu.

Keine Daten über Kerosin in der Luft

Das „Gebiet Pfalz“ beispielsweise bezieht sich auf die Region südwestlich von Mainz bis Frankreich, das Saarland und die Eifel. Auch nach Hessen oder gar ins nördliche Bayern gelangt so manchmal noch Treibstoff, der eigentlich über der Pfalz landen sollte. Doch dem Bürgerinitiative-Mitglied Emrich bereitet auch die Luftbetankung Sorgen, die bei Militärübungen über Rheinland-Pfalz hin und wieder geübt wird. „Ich bin skeptisch, dass da kein Tröpfchen daneben geht.“

Aktuelle Daten über die Auswirkungen des Treibstoffs auf Mensch und Umwelt gibt es nicht. „Die Komponente Kerosin nehmen wir nicht auf“, sagte Gerd Plachetka vom rheinland-pfälzischen Landesamt für Umwelt. Vor etwa 15 bis 20 Jahren habe man Kerosin aber nahe der Airbase in Spangdahlem in der Eifel gemessen. „Es gibt dafür spezielle Messverfahren, mit denen man das nachweisen kann.“ Über die derzeitigen Rückstände von Kerosin in der Luft habe er jedoch keine Daten. Dem Landesamt liege derzeit kein Prüfauftrag vor.

„Ich bezweifle die immer wieder vorgetragene Entwarnung“

Das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium gibt Entwarnung und verweist auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine ähnliche Kleine Anfrage. Darin heißt es, dass der Treibstoff in mindestens 1500 Metern Höhe in kleinste Tröpfchen verwirbelt und zu einem feinem Nebel verteilt werde. Nach Berechnungen des Landes Brandenburg würden so nur 0,02 Gramm Kerosin pro Quadratmeter im betroffenen Gebiet landen.

Ein größerer Teil des Treibstoffs verbleibe dagegen in der Atmosphäre, wo er durch Sonnenenergie in Wasser und Kohlendioxid umgewandelt werde. Nach Untersuchungen des TÜV Rheinland komme es so zu einer „vernachlässigbaren Kontamination des Bodens“. Diese Annahmen, bestätigt durch eine Studie des National Research Council in Kanada, stammen allerdings bereits aus dem Jahr 1992.

 „Ich bezweifle die immer wieder vorgetragene Entwarnung hinsichtlich der Ungefährlichkeit solcher großvolumiger Kerosinablassungen“, teilte am Mittwoch der saarländische Grünen-Bundestagsabgeordnete Markus Tressel mit. Die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt müssten erforscht werden. Außerdem müssten die Gründe für den Treibstoffablass erfasst werden, um diesen soweit wie möglich zu verringern.

 Quelle: Focus

Kommentar verfassen