Schwingfest in Estavayer: traditioneller Schweizer Kampfsport wird zelebriert

Beim traditionellen Schwingfest in Estavayer wird das größte Sportereignis der Schweiz zelebriert.

schwingerEin riesiges Sportfest mit hunderttausenden Zuschauern und tagelanger Live-Berichterstattung? Was die bei Olympia können, können die Schweizer schon lange. Beim Schwingfest in Estavayer feiern 280.000 Eidgenossen sich selbst und ihre Tradition – und wollen dabei lieber unter sich bleiben.
Am Ende ist es plötzlich ganz still. Das ganze Stadion hält den Atem an, als sich die zwei kolossalen Körper ineinander bohren. Ein Kampf auf Messers Schneide, die Spannung greifbar. Noch ist es ausgeglichen.

Es ist der finale Höhepunkt eines riesigen Sportfestes mit hunderttausenden Besuchern, sportlichen Höchstleistungen und tagelanger Live-Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen TV. Was die bei Olympia können, kann die Schweiz schon lange – der große Unterschied ist aber, dass außerhalb des Alpenlandes fast niemand von diesem Großereignis weiß.

Größtes temporäres Stadion der Welt
Im Rest Europas kaum bekannt, ist das „Eidgenössische Schwinger- und Älplerfest“ das größte Sportereignis der Schweiz. Über 280.000 Besucher zählten die Veranstalter am Wochenende. Ähnlich wie Olympia findet das Schwingfest nur alle drei Jahre statt, immer in einem anderen Teil des Landes.

Zur 44. Auflage seit der Premiere im Jahr 1895 wurde in Estavayer-le-Lac in der französischen Schweiz eigens das größte temporäre Stadion der Welt auf einen Militärflugplatz gestellt. Gut 52.000 Zuschauer passen in die aus Stahlrohren zusammengebaute Arena.

 Beim Steinstossen werden wenig überraschend Steine geworfen

Die Disziplinen kennt in der Schweiz jedes Kind. Beim Steinstossen werfen helvetische Muskelberge eine 20 bis 80 Kilo schwere Steinkugel so weit wie möglich. Hornussen ist eine Mischung aus Baseball und Golf und wird im Team gespielt.

Königsdisziplin: Schwingen

Die Königsdisziplin aber ist das Schwingen. In einem Kreis aus Sägemehl – 14 Meter im Durchmesser – stehen sich zwei Kraftpakete gegenüber und versuchen, den Kontrahenten mit beiden Schultern in den Boden zu drücken.

Im Schwinger-Finale zwischen dem Glarner Matthias, links, und dem Orlik Amon fliegen die Sägespäne

Ein riesiges Sportfest mit hunderttausenden Zuschauern und tagelanger Live-Berichterstattung? Was die bei Olympia können, können die Schweizer schon lange. Beim Schwingfest in Estavayer feiern 280.000 Eidgenossen sich selbst und ihre Tradition – und wollen dabei lieber unter sich bleiben.
Am Ende ist es plötzlich ganz still. Das ganze Stadion hält den Atem an, als sich die zwei kolossalen Körper ineinander bohren. Ein Kampf auf Messers Schneide, die Spannung greifbar. Noch ist es ausgeglichen.

Es ist der finale Höhepunkt eines riesigen Sportfestes mit hunderttausenden Besuchern, sportlichen Höchstleistungen und tagelanger Live-Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen TV. Was die bei Olympia können, kann die Schweiz schon lange – der große Unterschied ist aber, dass außerhalb des Alpenlandes fast niemand von diesem Großereignis weiß.

Im Rest Europas kaum bekannt, ist das „Eidgenössische Schwinger- und Älplerfest“ das größte Sportereignis der Schweiz. Über 280.000 Besucher zählten die Veranstalter am Wochenende. Ähnlich wie Olympia findet das Schwingfest nur alle drei Jahre statt, immer in einem anderen Teil des Landes.

Zur 44. Auflage seit der Premiere im Jahr 1895 wurde in Estavayer-le-Lac in der französischen Schweiz eigens das größte temporäre Stadion der Welt auf einen Militärflugplatz gestellt. Gut 52.000 Zuschauer passen in die aus Stahlrohren zusammengebaute Arena.

AP Beim Steinstossen werden wenig überraschend Steine geworfen
Die Disziplinen kennt in der Schweiz jedes Kind. Beim Steinstossen werfen helvetische Muskelberge eine 20 bis 80 Kilo schwere Steinkugel so weit wie möglich. Hornussen ist eine Mischung aus Baseball und Golf und wird im Team gespielt.

Königsdisziplin: Schwingen
Die Königsdisziplin aber ist das Schwingen. In einem Kreis aus Sägemehl – 14 Meter im Durchmesser – stehen sich zwei Kraftpakete gegenüber und versuchen, den Kontrahenten mit beiden Schultern in den Boden zu drücken.

Über 50.000 Menschen passen in das eigens erbaute, temporäre Schwinger-Stadion
Ins Finale haben es in diesem Jahr der erfahrene Glarner Matthias (ja, Nachname vor Vorname) und der junge Orlik Amon geschafft. Der Schweiß fließt bei 35 Grad, das Sägemehl fliegt durch die Luft, immer wieder brandet nach einer gelungenen Aktion Jubel auf, dann wird es sofort wieder ganz still. Es ist ein Abnutzungskampf, die 16 Minuten werden für beide jetzt ganz lang.

„Brienzer“, „Hüfter“ oder „Überschwung“
Wenn sich die Schwinger sich mit den Armen gegenseitig an den Jute-Hosen packen und mit den Beinen Beine umschlingen, sieht das für den Laien zunächst aus wie eine Schulhof-Rangelei.

Tatsächlich gehört aber mehr als nur bloße Kraft dazu – die Technik entscheidet. Über 100 verschiedene Schwünge sind im Regelbuch gelistet, die gängigsten heißen „Brienzer“, „Hüfter“ oder „Überschwung“.

Über hundert Schwünge kennt das Regelwerk
Die „Bösen“ – wie die besten Schwinger des Landes liebe- und respektvoll genannt werden – sind in ihrer Heimat Stars. Wer einmal den Titel „Schwingerkönig“ gewonnen hat, behält ihn sein Leben lang. Die bekanntesten Gesichter dienen als Werbeträger, generieren hohe Sponsorenerlöse. Galt das Schwingen früher noch als Sport der Bauern und Hirten, ist es mittlerweile ein Millionengeschäft.

Folklore pur
Das belegen die Zahlen: Das Budget des Events liegt bei rund 26 Millionen Euro, der Festplatz umfasst 90 Hektar, 4000 freiwillige Helfer sind im Einsatz, auf dem Campingplatz finden 20.000 Menschen Platz.

Die Aufmerksamkeit in der Schweiz ist riesig. Der Schweizer Rundfunk (SRF) überträgt das komplette Wochenende seit 2004 live, die Titelblätter der Zeitungen sind voll, die eigens entwickelte App ein Schlager.

AP Brauchtumspflege ist neben dem Sportlichen der Hauptaspekt des Schwingfestes
Das Schwingfest ist aber bei Weitem nicht nur sportlicher Wettkampf, sondern vielmehr großes Volksfest und kulturelles Event. In der Arena wird nicht nur geschwungen, sondern auch gejodelt und Alphorn geblasen. Drumherum stehen Bierzelte, abends gibt es Volksmusik-Konzerte. Folklore pur. Die Schweizer pflegen ihren Nationalstolz mit Wonne.

Keine Ausländer gewollt
Die exzessive Brauchtumspflege gefällt indes nicht jedem. Kritiker bemängeln, die Darstellung einer traditionellen und ländlichen Schweiz entspreche vor allem dem Ideal von Rechtskonservativen und sei die „Inszenierung helvetischer Klischees“.

Dabei hat das Schwingen längst auch das junge Publikum in den Städten erreicht. „Schwingen boomt“, sagt der Obmann des Eidgenössichen Schwingerverbandes (ESV), Paul Vogel, stolz im Gespräch mit FOCUS Online. Sein Verband wächst stetig.

Allerdings nur in der Schweiz – und das soll auch so bleiben. Die Schweizer leben mit dem Schwingerfest ihr traditionelles Eigenbrötlertum. Eine Öffnung für das Ausland – Stichwort Tourismus – ist nicht gewollt. „Wir wollen echte Schweizer Volkskultur betreiben“, sagt Vogel. „Swissness“, nennt er das. „Dafür haben wir auch extra den Titel des Schwingerkönigs über die Landesgrenzen hinaus schützen lassen.“
Quelle: Focus

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