#Lügenpresse: Moderatorin Maischberger entschuldigt sich im TV bei AfD-Mann

Berichten Journalisten objektiv? Oder überwiegen Halb- und Unwahrheiten? Was ist dran am Vorwurf der „Lügenpresse“? Bei „Sandra Maischberger“ wird deutlich, dass Fakten der Meinungsmache weichen.

Sandra Maischberger - dpa/Britta Pedersen - #Lügenpresse: Moderatorin Maischberger entschuldigt sich im TV bei AfD-Mann

Sandra Maischberger – dpa/Britta Pedersen – #Lügenpresse: Moderatorin Maischberger entschuldigt sich im TV bei AfD-Mann

 Es gibt ja kaum mehr eine Sendung, in der nicht das Modewort postfaktisch erwähnt wird. Gemeint ist, dass viele Menschen sich weniger für Tatsachen als vielmehr für ihre eigenen Gefühle interessieren. Die Emotionen lassen sich schön zu einem Schwarm sammeln in den sozialen Netzwerken.

„Halt’ die Fresse!“

Man konsumiert nur noch, was einem in den Kram passt und bewegt sich nicht mehr raus aus der sogenannten „Filterblase“ oder „Echokammer“. Alles, was jenseits an Berichten stattfindet, nennen viele Deutsche schlicht „Lügenpresse“ – gerne auch mit dem Zusatz „Halt’ die Fresse!“

Kann man Journalisten noch trauen?

Nach dem ARD-Spielfilm „Die vierte Gewalt“, in dem die Medien eine Ministerin in den Tod treiben, will der Talk bei „Sandra Maischberger“ darüber diskutieren, ob der Vorwurf der „Lügenpresse“ stimme: „Kann man Journalisten noch trauen?“ Da macht es sich nicht wirklich gut, wenn der ehemalige „Mister Tagesthemen“, Ulrich Wickert, gleich zur Eröffnung meint, dass es durchaus vorkomme, dass sich manche Journalisten etwas ausdächten. Auch die Causa Wulff habe das bewiesen. Am Ende sei wenig übriggeblieben von den Vorwürfen gegenüber Ex-Bundespräsident Christian Wulff. Dass Herr Wickert an anderer Stelle in der Sendung explizit das Magazin „Stern“ als „seriöses Magazin“ lobt, mutet schon deswegen komisch an, weil seine Frau Julia Jäkel als CEO von Gruner + Jahr eben diese Zeitschrift verantwortet.

„Gleichgeschaltet“, das ist Nazi-Vokabular

Zurück zu den Vorwürfen, die Journalisten betrieben „Einheitsmeinung“. Stimmt es wirklich, was Vera Lengsfeld sagt, die ehemalige CDU-Politikerin: „Einer schreibt es und alle anderen springen auf.“ Joachim Radke, ein gut informierter und eloquenter Berliner Busfahrer, lässt sich zum Begriff „gleichgeschaltete Presse“ hinreißen. Was für eine Dummheit. Dieses Vokabular verbietet sich schon deshalb, weil der Begriff im Kontext zu den Nazis steht. Für Blogger Sascha Lobo ist Herr Radke prompt einer dieser „Latenznazis“.

Er „marschiert“ nicht bei Pegida

Herr Radke ist Mitglied bei der AfD und nimmt an Pegida-Demos teil. Dass er dort „mitmarschiere“, wie Moderatorin Maischberger sagt, verbittet er sich vehement. Dieses Wort stelle ihn in eine falsche Ecke. Maischberger entschuldigt sich. Übrigens gleich zwei Mal, denn ein Zuschauer beschwerte sich via soziale Netzwerke ebenso deswegen.

Willige Schönschreiber der Flüchtlingskrise?

Medienwissenschaftler Gerhard Vowe bringt Zahlen. 60 Prozent der Deutschen trauen den Medien nicht, immerhin zwölf Prozent halten sie für die „Lügenpresse“. Oder wie ein Zuschauer schreibt: „ARD und ZDF sind der verlängerte Arm der Politik.“ Und andere Journalisten sind willige Schönschreiber der Flüchtlingskrise. Wir freuen uns jedenfalls schon jetzt auf die Kommentare zu dieser Kolumne!

Quelle: Focus

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