Kritik am Moscheeverein Ditib: Jeder Imam ein Spion für Erdogan!

Seit dem Putschversuch in der Türkei sind die Anhänger des im Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen starken Repressionen ausgesetzt – auch in Deutschland. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wirft ihnen vor, Militär und Behörden unterwandert zu haben. Jetzt zeigen Dokumente: Um Gülen-Sympathisanten aufzuspüren, nutzt die Türkei auch die Ditib-Moscheen in Deutschland.

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Der deutsch-türkische Moscheeverband Ditib ist der Religionsbehörde Diyanet unterstellt und betreibt in der Bundesrepublik über 900 Moscheen. Da die Imame von der türkischen Regierung gesandt werden, war der Einfluss der Türkei immer schon hoch. Doch mit dem Putschversuch vom Juli hat sich die Situation weiter zugespitzt. Die Geistlichen wirken unverhohlen als Spitzel, so Kritiker.

Die Nachrichtenseite „Die Welt“ zitierte nun aus Dokumenten, die die Vorwürfe bestätigen. Dabei handelt sich demnach um interne Berichte der türkischen Generalkonsulate Köln, Düsseldorf und München. Die Vertretungen hätten darin die Informationen zusammengefasst, die von den Imamen der Ditib-Moscheen über Gülen-Anhänger und Oppositionelle gesammelt wurden.

Sabine Christiansen unter Beobachtung

Jeder, der in irgendeiner Art Kritik an Erdogan und seiner Regierung äußerte, taucht darin auf, ebenso Hinweise auf „verdächtige“ Vereine und Veranstaltungen. Thema im Bericht aus München sei beispielsweise die „Türkisch-Olympiade“, an der auch deutsche Politiker und Prominente teilnahmen. Namentlich erwähnt werde unter anderem die ARD-Moderatorin Sabine Christiansen, so „Welt“.

Besonders pikant ist laut der Nachrichtenseite, dass es sich zumindest bei vielen der ausspionierten Personen um deutsche Staatsbürger handelt. Dafür nutzt die Türkei einen Verein, der offiziell unabhängig agiert und der vom Bundesinnenministerium initiierten Deutschen Islamkonferenz angehört. Die Ditib-Moscheen jedoch auch als Erdogan-Horchposten zu fungieren.

„Jeder Imam ist ein Spitzel“

Die etwa 150.000 Gülen-Anhänger in Deutschland kritisieren das schon lange. Der Gülen-nahen „Stiftung Dialog und Bildung“ waren bereits zuvor Berichte zugespielt worden, die systematische Spionage aufzeigten. „Jeder Imam fungiert derzeit gleichzeitig als Spitzel für die Türkei“, sagt deren Vorsitzender Ercan Karakoyun. Wer nicht mitmache, werden selbst als Gülen-Anhänger abgesägt.

Etliche Imame aus Ditib-Moscheen hätten inzwischen ihren Dienst aufgegeben und in Deutschland Asyl beantragt, berichtet Karakoyun. „Sie wollen die Hasskampagne Erdogans nicht mitmachen.“ Er selbst betrete keine Ditib-Moschee mehr, so der Stiftungs-Vorsitzende, der auch SPD-Mitglied ist. „Wir wollen keinen Islam, der Gehorsam gegenüber einem Politiker als Pflicht erachtet“.

Quelle: Focus

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