Großbritannien erlaubt Babys mit Erbgut von drei Eltern

Das letzte Wort hatte eine Expertenkommission, nun hat sie zugestimmt: In Großbritannien dürfen künftig Babys mit der DNA von zwei Müttern und einem Vater erzeugt werden.

In britischen Laboren dürfen künftig Embryos mit dem Erbgut dreier Menschen erzeugt werden. Das teilte die Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA) mit. Die Methode soll Frauen eine Schwangerschaft ermöglichen, ohne dass sie bestimmte Erbkrankheiten an ihre Kinder weitergeben. Dabei geht es um Erkrankungen, die mit den Mitochondrien vererbt werden. Das sind die sogenannten Kraftwerke der Zelle, sie haben eine eigene DNA.

Großbritannien ist damit das erste Land weltweit, das solche Behandlungsmethoden ausdrücklich erlaubt. Das Parlament hatte bereits im vergangenen Jahr den Weg dafür frei gemacht und die Methode formal erlaubt. Die Ethikkommission der HFEA hatte aber das letzte Wort in der Sache.

Sie hatte der Behörde empfohlen, den „vorsichtigen Einsatz“ zweier Methoden bei „besonderen Umständen“ zu erlauben. Es geht um den so genannten Maternal Spindle Transfer (MST) und den Pronuclear Transfer (PNT). Bei beiden Verfahren werden Mitochondrien der Mutter durch Mitochondrien einer Spenderin ersetzt. Beide Methoden bergen auch Risiken. Deshalb sind sie nicht unumstritten.

Zuletzt war in Mexiko die Geburt eines Kindes mit dem Erbgut von drei Menschen im April gemeldet worden. Die mexikanischen Gesetze erlauben die Verfahren zwar nicht ausdrücklich, verbieten sie aber auch nicht. Grund für den Eingriff damals war eine Erbkrankheit der Mutter, die sie zuvor bereits auf zwei Kinder übertragen hatte.

Methode gegen Erbkrankheiten

Ein Großteil des Erbguts ist beim Menschen im Zellkern enthalten. Ein kleiner Teil, nur ein Prozent, steckt allerdings in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle. Diese befinden sich außerhalb des Zellkerns und werden von der Mutter vererbt. Auch die Erbinformationen aus der mtDNA können Krankheiten weitergeben.

Das war auch bei dem Fall in Mexiko so: Obwohl die Mutter gesund war, hatte sie eine seltene Krankheit, das sogenannten Leigh-Syndrom, an ihre Tochter weitergeben. Das Mädchen starb deshalb im Alter von sechs Jahren. Ein weiteres Kind lebte nur acht Monate.

Beim sogenannten Spindel-Transfer (MST) wird der Zellkern aus einer nicht befruchteten Eizelle der Mutter entnommen und in eine entkernte, aber nicht befruchtete Eizelle einer Spenderin eingesetzt. Erst danach wird die Zelle mit den Spermien des Vaters befruchtet.

Beim sogenannten Vorkern-Transfer (PNT) werden zwei Eizellen mit den Spermien des Vaters befruchtet: eine Eizelle der eigentlichen Mutter mit den kranken Mitochondrien und eine Eizelle einer Spenderin mit gesunden Mitochondrien. Anschließend wird bei der Spenderzelle der Zellkern entfernt und durch den Zellkern der mütterlichen, befruchteten Eizelle ersetzt. Das Baby trägt so das Erbgut dreier Eltern: Im Zellkern das von Mutter und Vater, in den Mitochondrien das der Spenderin.

Quelle: spiegel.de

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