Draghi, Barroso, Trump-Trio: Wie Goldman Sachs auf der ganzen Welt mitregiert

Die Investmentbank Goldman Sachs ist eine Legende in der Welt des großen Geldes. Das Finanz-Unternehmen hat aber noch viel mehr Einfluss. Zahllose Ex-Mitarbeiter sitzen weltweit in den Zentren der Macht. Einer der einflussreichsten ist EZB-Chef Mario Draghi.

goldmansachs

In seinem Präsidentschaftswahlkampf hatte sich Donald Trump äußerst kritisch über die US-Investmentbanker geäußert. Jetzt tauchen immer mehr von ihnen in Trumps Liste der zukünftigen Minister auf. Zufall? Oder doch eher Beweis dafür, welch großen Einfluss die Bank Goldman Sachs  auf die US-Politik hat.

Trump sammelt Goldman-Sachs-Banker um sich

Mit der jüngsten Personal-Entscheidung macht Trump den 56-jährigen Gary Cohn zu einem seiner Top-Berater. Cohn soll an der Spitze des nationalen Wirtschaftsrates die gesamte Wirtschaftspolitik koordinieren. Mit Cohn würde Trump bereits die dritte Position mit einem Goldman-Sachs-Banker besetzen. Der designierte Finanzminister Steve Mnuchin arbeitete ebenfalls für das Unternehmen. Das gleiche gilt für Stephen Bannon, Trumps umstrittenen Chefstrategen im Weißen Haus. Bannon organisierte für Goldman Sachs Übernahmen und Fusionen zwischen Firmen.

Weltweit aktiv

Damit ist die Liste einflussreicher Ex-Goldman-Sachs Mitarbeiter längst nicht erschöpft, wie die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtet. Auch wenn sich Goldman Sachs nach der Finanzkrise öffentlich zurückhielt, hält das Bankhaus weiter engen Kontakt zur politischen Elite.

Finanzminister arbeiteten unter demokratischen und republikanischen US-Präsidenten

Gerade in den USA gibt es zahlreiche Belege für die Macht der Investment-Bank. Vor zwei Jahrzehnten wurde Goldman-Co-Chef Robert Rubin US-Finanzminister von Bill Clinton. Auch die Republikaner sicherten sich die Dienste der Goldman-Sachs-Elite: Hank Paulson diente ab 2006 Präsident George W. Bush als Finanzminister.

Als anderes Beispiel nennt der Bericht William Dudley, Chef der New Yorker Niederlassung der US-Notenbank Fed. Er arbeitete vorher als Chefvolkswirt bei Goldman. Die Verbindung zwischen dem Geldriesen und der Politik ist so eng, dass viele US-Bürger das Unternehmen als „Gourvernment Sachs“ bezeichnen – ein Wortspiel aus dem englischen Wort für Regierung und dem Konzernnahmen.

Spezifische „Leistungskultur“

Kein Wunder, dass der Bericht Goldman Sachs eine „Talentschmiede“ nennt. Grund für den enormen Erfolg ehemaliger Goldman-Mitarbeiter sei die spezifische „Leistungskultur“ in dem Unternehmen. „Goldman ist ein Platz für hart arbeitende Aufsteiger“, heißt es.

Dass es auch andersherum funktioniert, beweist der Fall José Manuel Barroso. Der Ex-EU-Kommissionspräsident ließ sich im Sommer 2016 von Goldman Sachs als Berater mit politischen Kontakten anheuern. Hier nutzt die Investmentbank die hervorragenden Beziehungen des Politfunktionärs für ihre Geschäfte.

Auch Mario Draghi hat Goldman-Erfahrungen

Ex-Goldmänner sind auch in Europa als Strippenzieher am Werk. Der mächtigste ist sicherlich Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) mit Sitz in Frankfurt am Main. Der Italiener war von 2002 bis 2005 Vice President bei Goldman Sachs.

Heute legt Draghi zusammen mit dem EZB-Rat die Zinspolitik für die Eurozone fest. Die Entscheidungen wirken sich direkt auf die 340 Millionen Einwohner der Eurozone aus. Das bedeutet: In Zeiten der Nullzinspolitik bekommen Sparer für ihr Geld auf der hohen Kante keine Belohnung.

Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Achleitner war lange bei Goldman Sachs

Ein anderer mächtiger Ex-Goldman-Banker in Deutschland ist Paul Achleitner. Der Finanzexperte mit österreichischem Pass leitet den Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Zuvor war er Chef der Deutschland-Niederlassung von Goldman Sachs, später Vorstandsmitglied des Versicherungs-Giganten Allianz .

Eines zeigt das Beispiel der Deutschen Bank  aber: Auch frühere Goldman-Manager können nicht hexen. Deutschlands größtes Bankhaus steckt immer noch tief in der Krise. Selbst mit dem Rausschmiss des früheren Co-Chefs Anshu Jain im Sommer 2015 konnte Achleitner die Deutsche Bank (noch) nicht aus den Negativ-Schlagzeilen bringen.

 Quelle: Focus

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