Brutale Tretattacke in Billstedt: Mann springt Frau in Rücken

Der Fall erinnert an die Berliner Tat: Ohne Anlass greift ein 39-Jähriger in Billstedt eine Passantin an und verletzt sie schwer.

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Ihr rechtes Handgelenk ist gebrochen, mit diesem Handicap fällt es Anke H. aktuell schwer, ihren Alltag zu bewältigen. Schwer wiegt auch der Schock über die brutale Attacke – und die Angst vor dem 39 Jahre alten Täter, der wieder auf freiem Fuß ist. Wuchtig und ohne erkenn­baren Anlass hatte der Mann die 57-jährige Frau auf dem Billstedter Marktplatz in den Rücken getreten.

Der Fall erinnert an einen ähnlichen Vorfall im Berliner U-Bahnhof Hermannstraße. Ende Oktober hatte dort ein junger Mann eine 26 Jahre alte Frau – offenbar aus purer Lust an Gewalt – mit einem Tritt in den Rücken die Treppen hinuntergestoßen und schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter, ein 27 Jahre alter Bulgare, ist am Sonnabendnachmittag am Busbahnhof in Berlin-Charlottenburg verhaftet worden.

Der Angreifer ist wieder auf freiem Fuß

Anke H. hatte am vergangenen Dienstag gegen 10.40 Uhr gerade die Haspa an der Möllner Landstraße verlassen, als ihr jemand unvermittelt in den Rücken trat. Sie sei völlig arglos gewesen. „Ich muss mich in der Luft noch gedreht haben, jedenfalls bin ich dann an einem Marktstand auf den Hinterkopf geknallt“, sagt die zierliche blonde Frau. Die 57-Jährige kam danach ins Unfallkrankenhaus Boberg, dort diagnostizierten die Ärzte einen Bruch des rechten Handgelenks. „Wäre ich zehn Jahre älter gewesen, hätte es für mich noch deutlich schlimmer ausgehen können“, sagt Anke H.

Die Polizei bestätigte den Vorfall auf Abendblatt-Anfrage. Nach den bisherigen Ermittlungen habe der Täter zuvor drei ältere Damen in Tatortnähe um Geld angebettelt, sagt Polizeisprecher Rene Schönhardt. Weil er kein Geld erhielt, zog er wieder ab. Kurz danach kam es – möglicherweise aus Frust über die Zurückweisung – zu dem verhängnisvollen Tritt. Passanten stellten Harun A. und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest, die ihn in Handschellen abführte. Der 39 Jahre alte Mann sei erkennungsdienstlich behandelt und danach entlassen worden, so Schönhardt. Gründe für einen Haftbefehl lägen nicht vor. Der Tatverdächtige verfügt nach Abendblatt-Informationen über einen festen Wohnsitz und war zuvor nicht mit Gewalttaten in Erscheinung getreten, sondern vor allem wegen Schwarzfahrens. Gegen Harun A. ermittelt die Polizei nun wegen gefährlicher Körperverletzung.

Nach Berlin werden Fälle aus anderen Städten gemeldet

Nach der Trittattacke von Berlin waren ähnliche Fälle auch aus anderen Städten gemeldet worden. So erhielt eine 19-Jährige in Stuttgart-Hedelfingen, die von der Stadtbahnhaltestelle kam, auf dem Nachhauseweg einen Tritt in den Rücken, sie sah zwei dunkel gekleidete Personen flüchten. Die Stuttgarter Polizei geht indes nicht von Nachahmungstätern aus. Im Münchner U-Bahnhof Heimeranplatz griffen drei Jugendliche eine Frau an, die auf dem Rückweg von einer Weihnachtsfeier mit der Rolltreppe zum Bahnsteig herunterfahren wollte. Sie wurde ebenfalls getreten und stürzte. Die Männer entrissen der 38-Jährigen die Handtasche und flüchteten. Nach Angaben der Polizei habe es sich allerdings um einen Raub gehandelt und nicht um einen Akt roher, unmotivierter Gewalt.

Anke H. vermutet indes, dass es sich bei dem Gewalttäter, der ihr vor der Haspa in Billstedt in den Rücken trat, um einen Nachahmungstäter handeln könnte. „Ich glaube, dass der Mann einfach hoch aggressiv war und den Vorfall in Berlin aus dem Fernsehen kannte“, sagt Anke H. „Was ich überhaupt nicht verstehen kann: Warum hat er sich ausgerechnet eine ihm körperlich deutlich unterlegene Frau herausgepickt, um sich abzureagieren?“ Durch den Bruch des rechten Handgelenks sei sie zurzeit schwer gehandicapt. „Ich kann mir nicht die Hose zumachen, nicht die Haare vernünftig waschen, ich bin zurzeit einfach sehr stark eingeschränkt – und das kurz vor Weihnachten“, sagt die 57-Jährige.

Opfer hat Angst, auf die Straße zu gehen

Angst mache ihr, dass sich der Täter wieder auf freiem Fuß befinde und sie ihm jederzeit wieder begegnen könne. Weil sie sich aktuell nicht mehr auf den Markt traue, habe sie eine Freundin gebeten, für sie einzukaufen. „Wer kann denn schon wissen, ob der Mann nicht auch andere Frauen willkürlich attackiert, eine Schwangere zum Beispiel“?, sagt Anke H. Um andere Menschen vor dem heimtückischen Täter zu warnen, habe sie den Fall auf ihrem Facebook-Profil öffentlich gemacht.

Für den CDU-Bürgerschaftsabgeordneten und Innenexperten Dennis Gladiator handelt es sich bei dem Angriff auf Anke H. um eine „hinterhältige und brutale Tat, einen in keinster Weise nachvollziehbaren Gewaltausbruch“. „Die Justiz“, so Gladiator weiter, „muss jetzt klare Kante zeigen, um deutlich zu machen, dass solche Täter nicht ungeschoren davonkommen.“

Quelle: Abendblatt

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