Black lives matter: Nur schwarze Leben zählen? Alle Leben zählen!

1146 Zivilisten wurden 2015 in den Vereinigten Staaten durch Polizisten getötet.

In Relation zur Kriminalitätsrate der Bevölkerungsgruppe werden in den USA mehr Weiße als Schwarze Opfer von Polizeigewalt und Tötung durch Polizisten. Laut mehrerer Studien zögern Polizisten wegen der öffentlichen Brandmarkung eher, auf Schwarze zu schießen, als auf Weiße.

 

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1146 Zivilisten wurden 2015 in den Vereinigten Staaten durch Polizisten getötet.

Ja, Sie haben richtig gelesen: 1146 Opfer, Weiße, Schwarze, Latinos… Doch wer spricht über diese skandalös hohe Zahl von Menschen die durch Polizisten getötet wurden? Niemand! Eine Verdrehung von Informationen, die schwerwiegende demographische Fakten verschleiern soll.

Davon überzeugt, daß die die derzeitig stark mediatisierte Anzahl toter, nicht bewaffneter Schwarzer nur die Spitze eines statistisch noch viel riesigeren Eisbergs sei, begann eine Handvoll Journalisten des Guardian und der Washington Post 2014, jeder für sich, Daten über die polizeiliche Verstrickung in zivile Todesfälle quer durch die USA zu sammeln.

Der Skandal der Anzahl durch die amerikanische Polizei getöteter Zivilisten

Das Bild, daß sich aus der Recherchearbeit entwickelte, ist wesentlich komplexer als der Begriff „Krieg gegen die Schwarzen“ vermuten läßt. Nach den Ermittlungen des Guardian wurden allein im Jahr 2015 1146 Zivilisten durch Polizisten der Vereinigten Staaten getötet. Darunter: 581 Weiße und 306 Schwarze. Nun erscheint die Zahl der getöteten Weißen deutlich höher gegenüber der Anzahl getöteter Schwarzer, was jedoch Angesicht der höheren Gesamtzahl der weißen Bevölkerung  nicht überrascht, in Relation ist die Rate der getöteten Schwarzen leicht erhöht gegenüber der Zahl getöteter Weißer (2,6%). Bei der Anzahl getöteter unbewaffneter Personen ist der Anteil der schwarzen Bevölkerung nochmals erhöht (79 getötete Schwarze gegenüber 107 getöteten Weißen).

Diesen Zahlen könnten rassistische Vorurteile der Ordnungskräfte zu Grunde liegen. Doch wie Heather MacDonald des Manhattan Institute in der Washington Post bemerkt:

„Die Arbeit der Polizisten muß an der  Kriminalitätsrate der entsprechenden Bevölkerungsgruppe gemessen werden, nicht am Anteil der Bevölkerungsgruppe an der Gesamtbevölkerung.“

Wenn man nun von dieser Datenlage ausgeht, ist an den Zahlen des Guardian nichts mehr erstaunlich. Die Afro-Amerikaner sind seit langem bei der Rate der Gewaltverbrechen führend, sowohl als Täter, wie auch als Opfer. Die Anzahl an Gefängnisstrafen ist ebenfalls weit  höher als die aller anderen Ethnien. Bei einem Anteil von 12% der männlichen Bevölkerung, stellen sie einen Anteil von 37% der Insassen amerikanischer Gefängnisse. Geht man davon aus, daß eine erhöhte Kriminalitätsrate mit einer erhöhten Konfrontation mit den Ordnungskräften einhergeht, ergibt sich daraus die Schlußfolgerung, daß auch eine in Proportion erhöhte Anzahl von entgleisenden Konfrontationen die schwarze Bevölkerung trifft.

Ironischerweise ergab sich auch bei zwei weiterführenden Studien eine Umkehrung der Ausgangsidee, die sogar eine Bevorzugung der schwarzen Bevölkerung durch unbewußte rassische Vorurteile belegen.

In der ersten Studie, die 2013 – vor den derzeitigen Auseinandersetzungen –  von Lois James, Forscher an der Universität von Washington durchgeführt wurde, wurden Anhand von Simulationen urbaner Situationen, das Verhalten von 80 Polizisten in Spokane im Staate Washington untersucht, die die Entscheidung treffen sollten, auf einen Verdächtigen zu schießen oder nicht. Das Resultat: die Polizisten waren dreimal weniger dazu geneigt auf einen schwarzen Verdächtigen zu zielen, als auf einen Weißen. Nach James ist die Ursache für diese Verschiebung in der Politisierung der Frage der Polizeigewalt zu finden, welche bei den Polizisten zu  einer besonderen Vorsicht bezüglich der Ausübung letaler Gewalt gegenüber Schwarzen geführt habe.

Die zweite Studie, erstellt von Roland Fryer, einem afro-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler der Harvard-University, kommt zu einer ähnlichen Schlußfolgerung. Ausgehend von einer Analyse von offiziellen Berichten von Schießereien in Houston, Texas, bei denen Polizisten beteiligt waren, stellt Fryer fest, daß die Polizisten dieser Stadt zu 24% weniger geneigt waren, auf Schwarze zu schießen, als auf Weiße.  Bei der Untersuchung einer weiteren, größeren Datensammlung, die Daten fünf urbaner Gebiete und eines Teils des Staates Florida umfaßten, konnte Fryer den Schluß ziehen, daß 47% der Polizisten weniger dazu bereit waren ihre Waffe zu ziehen, ohne vorher angegriffen worden zu sein, wenn es sich um schwarze Personen handelte.

Keiner dieser Fakten soll jedoch den Eindruck erwecken, die Tötungen ziviler Personen seien in jedem Fall gerechtfertigt gewesen! Angesichts der immer aggressiveren Methoden der amerikanischen Polizisten, sowie der notorischen Weigerung der Staatsanwaltschaften, Polizeigewalt juristisch zu ahnden, wäre es nicht erstaunlich, das einige Fälle – möglicherweise gelegentlich auch rassistisch motiviert – nicht gerechtfertigt waren. Auf jeden Fall sollten die skandalös hohen Zahlen der durch Polizisten getöteten Personen, die durch den Guardian und die Washington Post aufgedeckt wurden, zu einer Novellierung der Polizeimethoden hin zu einem graduierterem Einsatz der Gewalt im Polizeieinsatz führen.

Quelle: éléments

 

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